Hexensprüche: Formeln, Herkunft und wie du sie selbst baust

28.08.2026 · 4 Min. Lesezeit · Überarbeitet 28.08.2026

Hexensprüche mit Herkunft und Wirkung: woher die Reimformeln kommen, warum sie sich alle gleich anhören und wie du in vier Schritten eigene schreibst.

Warum solltest du diesen Zauberspruch kennen?

Hexensprüche folgen einem festen Bauplan – vier Hebungen, Paarreim, zwei konkrete Zutaten. Wer das Muster kennt, erfindet in einer Minute einen, der klingt wie dreihundert Jahre alt.

„Krötenbein und Spinnenhaar, was hier stand, ist nicht mehr da."

Warum klingt dieser Spruch sofort nach Hexe? Nicht wegen der Kröte. Wegen des Rhythmus.

Woher Hexensprüche kommen

Die Formeln, die wir heute als Hexensprüche kennen, stammen kaum aus historischen Hexenprozessen. Sie stammen aus der Literatur, die über Hexen geschrieben wurde – und die hat ihre eigenen Regeln.

Die drei prägenden Quellen:

Volksmärchen. Die Sammlungen der Brüder Grimm liefern das Vokabular: Kröten, Raben, Kessel, Mitternacht. Die Sprüche selbst sind dort selten ausformuliert, aber der Ton ist gesetzt.

Goethes Faust. Das „Hexen-Einmaleins" aus dem ersten Teil ist der berühmteste deutsche Hexenspruch überhaupt – und bewusst als sinnfreies Zahlengestammel geschrieben. Genau das hat Schule gemacht: Ein Hexenspruch darf keinen Sinn ergeben, er muss nur einen Sog haben.

Walpurgisnacht-Bräuche. Aus der Verbindung von Brauchtum und Bühnenfassung entsteht im 19. Jahrhundert die Hexe, wie wir sie kennen: mit Kessel, Besen und Reimspruch.

Anders als bei Abrakadabra gibt es also keine einzelne belegbare Urquelle. Hexensprüche sind ein Genre, keine Überlieferung.

Der Bauplan: warum alle gleich klingen

Fast jeder überzeugende Hexenspruch folgt demselben Muster. Vier Bauteile:

  1. Vier Hebungen pro Zeile. Ein durchgehend betonter Takt: KRÖ-ten-BEIN und SPIN-nen-HAAR. Dieses Metrum ist der eigentliche Grund, warum ein Spruch „nach Hexe" klingt.
  2. Paarreim. Zwei Zeilen, ein Reim am Ende. Nicht mehr. Vierzeiler wirken schnell wie ein Gedicht statt wie eine Formel.
  3. Zwei konkrete Zutaten. Etwas Tierisches und etwas Pflanzliches, beide bildhaft. Abstrakte Wörter zerstören die Wirkung sofort.
  4. Ein Befehl am Ende. Der Spruch muss etwas anordnen: verschwinde, erscheine, dreh dich um. Ohne Befehl ist es Poesie, keine Formel.

Zwölf Hexensprüche zum Direktverwenden

Zum Verschwinden

  • Krötenbein und Spinnenhaar, was hier stand, ist nicht mehr da.
  • Rabenfeder, Sumpf und Schlick – nichts mehr da, kein Stück zurück.
  • Nebelschwaden, Mitternacht, hab dich fort und weggemacht.

Zum Erscheinen

  • Holunderzweig und Kesselschaum, jetzt erscheine hier im Raum.
  • Farnkrautwurzel, Mondenschein, hol das Ding ins Licht herein.
  • Distelsaft und Wiesenklee, komm hervor, damit ich's seh.

Zum Verwandeln

  • Eichelhut und Wacholderbeer, sei ab jetzt das, was du nicht wärst vorher.
  • Silberdistel, Kerzenwachs, werde groß und werde flachs.

Für den Auftakt

  • Kesselblubbern, Feuerschein, jetzt lass uns bei den Hexen sein.
  • Dreimal Rauch und zweimal Ruß, jetzt beginnt der Hexengruß.

Für den Schluss

  • Besenstiel und Sternenlicht, mehr verrät die Hexe nicht.
  • Kessel aus und Feuer still, weil die Hexe schlafen will.

In vier Schritten einen eigenen bauen

Nimm den Bauplan und fülle ihn:

  1. Zieltätigkeit festlegen. Was soll passieren – verschwinden, erscheinen, verwandeln?
  2. Zwei Zutaten suchen. Ein Tier, eine Pflanze. Je konkreter, desto besser: Krötenlaich schlägt Zauberzutat.
  3. Reimwort vom Ende her wählen. Erst das Ende der zweiten Zeile festlegen, dann rückwärts arbeiten. Wer vorne anfängt, landet fast immer in einer Sackgasse.
  4. Laut sprechen. Stolperst du, stimmt das Metrum nicht. Ein Hexenspruch, der sich beim Sprechen verhakt, verrät den Trick.

Diese Methode funktioniert genauso für andere Anlässe – die Kinderfassung mit einfacherem Vokabular steht bei den Zaubersprüchen für Kinder.

Hexensprüche im Auftritt

Für Kinderauftritte sind Hexensprüche das stärkste Material, das du haben kannst: Die Zutaten sind eklig, das Metrum lädt zum Mitsprechen ein, und der Befehl am Ende gibt dem Publikum einen klaren Einsatz.

Zwei Dinge entscheiden über die Wirkung:

Sprich langsamer, als sich richtig anfühlt. Der Takt trägt nur, wenn er hörbar ist. Wer hetzt, verliert genau das Merkmal, das den Spruch ausmacht.

Lege den Befehl auf die geheime Handlung. Das letzte Wort und der eigentliche Griff fallen zusammen – nicht davor, nicht danach. Das ist dieselbe Regel wie bei jedem anderen Spruch, nachzulesen im Guide zu Zaubersprüchen im Auftritt, und sie hängt direkt an der Präsentation vor Publikum.

Fazit

Hexensprüche sind keine Überlieferung, sondern ein Handwerk mit vier Regeln: Takt, Paarreim, konkrete Zutaten, Befehl am Ende. Wer die kennt, braucht keine Sammlung mehr – er schreibt sich in einer Minute den Spruch, der zu seinem Trick passt.

Alle weiteren Sprüche nach Anlass sortiert findest du in der Zaubersprüche-Übersicht.

M

Moritz

Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich mit Kartentricks und Kartenmagie. Auf karten-tricks.de teile ich alles was ich gelernt habe - kostenlos und auf Deutsch.

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